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5 wissenschaftliche Gründe, warum Gemeinschaft heilsam sein kann

Während der Corona-Zeit wurde es vielen besonders deutlich: Wir Menschen brauchen einfach Gemeinschaft(en) um uns. Denn wer viel alleine sein muss, kann sich schnell schmerzlich einsam fühlen. 

 

Wie sich dein Nervensystem auf natürliche Weise entspannt 

Einsamkeit ist global zu einer Volkskrankheit mit weitreichenden Folgen geworden. Das hat sich seit Corona noch verstärkt. Das Rote Kreuz spricht im Zusammenhang mit Einsamkeit und Isolation von einer „Epidemie im Verborgenen“, die alle Menschen treffen könne.

 

In der relativ jungen Fachrichtung der Psychoneuroimmonologie geht es um den Zusammenhang zwischen Psyche, Nervensystem, Immunsystem und Hormonsystem. 

Es konnte ein Zusammenhang nachgewiesen werden zwischen Einsamkeit und dem Immunsystem. Und so ist es nicht überraschend, dass damit auch Bluthochdruck und andere wichtigen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenerkrankungen sowie psychischen Erkrankungen und Demenz einhergehen.

 

An unserem Erleben ist immer auch unser ganzer Körper mit beteiligt. Zum Beispiel während sich Menschen begegnen und Zeit miteinander verbringen, schwingen sich nicht nur ihre Hirnströme, sondern auch messbar ihre Herzfrequenzen einander ein.

Und wenn nicht, spüren wir das meist über ein sich-unwohl-fühlen in der Situation. Damit ist unser Körper auch ein Messinstrument zu unserer Befindlichkeit in einer Situation. Wenn wir lernen, uns darüber bewusster zu sein, können wir das auch im Alltag nutzen.

 

Lebten Menschen früher in Gemeinschaften gesünder?

Laut Mediziner, Speaker und Buchautor Gabor Maté („Wenn der Körper Nein sagt“) lebten früher mehr Menschen in Gemeinschaften, sogenannten Tribes oder auch Mehrgenerationen-Haushalten, miteinander. Laut Gabor Maté war das gesünder, als unsere heutige Lebensweise in der sogenannten Westlichen Kultur. Schon weil für Kinder immer eine erwachsene Person in der Nähe war, wurden sie praktisch von einem ganzen Dorf großzogen. Das war gut für die Kinder, entlastete die Eltern und integrierte auch die Älteren. Die Gemeinschaft stiftete damit Sinn und Zugehörigkeit.

 

Sich zugehörig-fühlen schenkt uns Menschen das Gefühl von Sicherheit. In Sicherheit entspannt sich unser ganzes Nervensystem. Ein beruhigtes Nervensystem ist nachweislich die Voraussetzung dafür, sich körperlich, emotional und geistig gesünder zu fühlen.

 

Die eine menschliche Fähigkeit, die überlegene Intelligenz schlägt 

Der Autor Rutger Bregmann („Im Grunde gut, eine neue Geschichte der Menschheit“) schreibt, dass vor uns, dem Homo Sapiens, mindestens fünf andere menschliche Spezies die Erde bevölkerten. 

Zum Beispiel war uns der Neandertaler weit überlegen an Kraft und Intelligenz, sein Gehirnvolumen war ca. 15 % größer als unseres. Es gibt Anzeichen, dass der Homo  Sapiens Wissen vom Neandertaler übernommen hat.

 

Was ist dann passiert, warum haben wir und nicht Neandertaler die Erde bevölkert? 

 

Es konnte nachgewiesen werden, wie sich Kopfform und Gesicht des Homo Sapiens veränderte im Laufe der Zeit. Mit diesen Veränderungen bekamen wir die Fähigkeit, sozial zu interagieren. Wir können unsere Gefühle und Befindlichkeit zeigen u.a. mit unserer Gesichtsmimik, durch die Beweglichkeit unserer Augenbrauchen und unserer Augenform, welche unsere Blickrichtung sehen lässt. 

Somit sind wir ein (fast) offenes Buch füreinander, wir können einander lesen. Und das ist kein Handicap, sondern unser größtes Kapital. 

 

Der Neandertaler soll eine Art Genie seiner Zeit gewesen sein. Dafür war aber seine kollektive Hirnkapazität gering, d. h. er hatte wenig Austausch mit anderen. 

 

Der Homo Sapiens hingegen lebte in größeren Gruppen, und hatte auch Austausch mit anderen Gruppen. 

Rutger Bregmann folgert „Wenn das Hirn des Neandertalers ein rasend schneller, aber einzelner Supercomputer war, so war das Hirn des Homo Sapiens dagegen ein altmodischer PC – aber einer mit WLAN: Vielleicht dümmer, aber dafür vernetzt.“

 

In Tribes lebende Jäger und Sammler aus aller Welt, von den kältesten Tundren bis zu den heißesten Wüsten glaubten, das alles miteinander verbunden sei. Sie sahen den Menschen als Teil von etwas Größerem, verbunden mit dem Tier- und Pflanzreich, sowie Mutter Erde. Ihr Sinnerleben und der Austausch in Gruppen ist wahrscheinlich dafür, dass wir Homo Sapiens heute die Welt bevölkern, und nicht der Neandertaler. 

 

Bonding: So sichert die Natur unser Überleben  

Nach der Geburt braucht ein Menschenkind etwa 3 Jahre, um von seiner Hirnentwicklung her in der Lage zu sein zu Laufen. Jedes Säugetierbaby im Tierreich kommt ziemlich fertig entwickelt auf die Welt und kann schon kurz nach seiner Geburt auf eigenen Beinen stehen. Bezogen auf das Menschenkind müsste eine Schwangerschaft circa 3 Jahre länger dauern, es kommt also „unfertig“ auf die Welt. Dadurch ist es gerade in den ersten Lebensjahren sehr schutzbedürftig.

Der Trick der Natur: Bonding und Co-Regulation. Das Bonding mit dem Kind beginnt schon im Mutterleib und wird verstärkt während der Geburt, und danach durch ein auskomponiertes Zusammenspiel hochspezifischer natürlicher Abfolgen, in denen auch Botenstoffe und Hormone ausgeschüttet werden. Und durch zum Beispiel das Hormon Oxytozin „verlieben“ sich die Eltern in ihr Neugeborenes, und sorgen deshalb für es. 

 

Ein Baby verfügt noch nicht über eine Selbstregulation seiner Emotionen. Das heißt wenn es weint, kann es sich nicht selbst beruhigen, sondern braucht die liebevolle Aufmerksamkeit eines Erwachsenen.

Auch größere Kinder und Teenager brauchen noch die Co-Regulation einer erwachsenen Person für ihre gute Entwicklung, bis sie selbst lernen, ihre Emotionen zu regulieren. 

 

Das Bedürfnis nach Bindung und Co-Regulation bleibt auch ein Erwachsenleben lang bestehen. Wir brauchen einander, und das nicht nur in Zeiten von Krisen. Dafür sorgt auch das Hormon Oxytozin, denn es wird während eines wertschätzenden Umgangs miteinander ausgeschüttet, z.B. bei einer liebevollen Umarmung, . 

 

Co-Regulation ist eine bewusste und wohlwollende Begegnung mit Menschen, welche auf einer tieferen Ebene die wesentliche Botschaft vermittelt: 

Du bist wertvoll und wichtig, und du bist nicht allein.


 

In kritischen Situationen suchen wir intuitiv die Bindung mit anderen

Menschen sind evolutionär bedingt ausgestattet mit einem Bindungssystem.

Wir haben auf einer tiefen genetischen Ebene das Bedürfnis nach Gemeinschaft.

 

Wenn wir in eine kritische Situation geraten, ist das das erste, was wir unwillkürlich tun, die Bindungssuche. 

Noch bevor die Kampf-/Fluchtreaktion losgetreten wird,

orientieren wir uns in Bruchteilen von Sekunden an anderen Menschen. 

Wie diese die Situation bewerten, beeinflusst dann unsere Reaktion.


 

Wie du mehr Gemeinschaftserleben in deinen Alltag bringen kannst

Es geht nicht nur um die in Gemeinschaft verbrachte Zeit, sondern vor allem um das Gefühl von Zugehörigkeit und Verbundensein mit anderen. Sich zugehörig in der Welt zu fühlen, bemisst sich nicht an der Anzahl der Menschen, mit denen wir Kontakt haben, sondern auch wie wir Kontakt haben. Dabei geht es um eine "Quality-Time“: Wenn sich das Zusammensein wohlwollend und damit harmonisch anfühlt. 

 

Und es ist nicht nur Gemeinschaft in Form einer Gruppe, die wichtig für uns ist. Jede Art von wohlwollendem Kontakt mit Mensch (und Tier) tut uns auf vielen Ebenen gut. 

 

Der amerikanische Psychiater Robert Waldinger spricht in seinem Ted-Talk über eine beispiellose über 75 Jahre gehende Studie: 
Es wurde über diese lange Zeit hinweg von Probanden von ihrer Jugend an bis bei einigen noch heute neben gesundheitlichen Daten auch Fragen über deren Glücks- und Zufriedenheitsempfinden erhoben.

 

Das Ergebnis war eindeutig: Beziehungen zu Mitmenschen war der eine Faktor, der Menschen gesund erhielt, und zwar physisch, psychisch und mental. Sogar die Gedächtnisleistung steht damit in direktem Zusammenhang. Denn Menschen ohne verlässliche Verbindungen in ihrem Leben haben auch ein Risiko, geistig schneller abzubauen. 

 

 

Wenn du es nicht schon tust, dann gehe mehr unter Menschen, die Möglichkeiten sind praktisch endlos. Es könnte etwas so Einfaches sein, wie das Ersetzen von Bildschirmzeit durch ein Treffen mit Menschen. Oder die Belebung einer langweiligen Beziehung durch gemeinsame Unternehmungen. Oder nimm wieder Kontakt auf mit dem Familienmitglied oder Freund / Freundin, mit dem / der du vielleicht länger nicht gesprochen hast.

 

Du kannst auch Kontakt aufnehmen zu Menschen, die du kaum kennst, ihnen vielleicht aber täglich begegnest: Den NachbarInnen, VerkäuferInnen beim Einkaufen und so weiter. Aufmerksam seine Mit-Menschen wahrzunehmen, vielleicht mal ein kurzer Schwatz - dafür ist auch im hektischen Alltag mal Zeit. 

 

Etwas besseres kannst du also schon aus wissenschaftlicher Sicht kaum für deine Gesundheit und dein Zufriedenheits- und Glücksempfinden tun. Und das an jedem Tag, wenn du willst.

 

 

 

Das Bewusstsein über die heilsame und gesundheitsfördernde Kraft der Gemeinschaft reflektiert MindBodyCircle in seinem Logo „Gesundheit. Begegnung. Training“. 

 

Wir leben den Gemeinschaftsgedanken in unseren Trainings mit unseren Teilnehmenden und auch innerhalb unserer MindBodyCircle Trainer-Community.

 

 

 

 

Text: Sabine Bagnato

Photo: Unsplash.com by Duy Pham

 

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