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Frühling - Zeit der Sinne, des sich Öffnens und inneren Wachstums

 

Das Leben, unser Körper, die Natur mit den Jahreszeiten und alles um uns herum - alles ist im Fluss und unterliegt dabei einem ständigen Rhythmus. Jede Jahreszeit hat dabei ihre besonderen Qualitäten mit ihren Rhythmusgebern wie dem Sonnenlicht und dem Aufblühen und Vergehen der Natur. All das hat Einfluss auf unser Wohlbefinden und zeigt an, wofür es energetisch im Leben gerade Zeit ist.

 

In diesen Wochen öffnen sich Knospen und Blüten ebenso wie die Herzen der Menschen. Man merkt, dass die Stimmung bei den meisten Menschen steigt, je länger wir Tageslicht haben und die Temperaturen steigen.

 

Diese Jahreszeit lädt auch uns ein, sich zu öffnen und (wieder) einzulassen, Neues zu wagen.
Etwaige Blockaden und Widerstände dabei machen uns nur stärker.

 

Im Frühling geht es grundsätzlich darum, Neues zu begrüßen und erste Schritte hinaus zu wagen mit neuen Vorhaben. Nachdem wir im Winter unsere Kräfte erneuern konnten, Träumen und Fantasien freien Lauf gelassen und vielleicht neue Ideen und Projekte ausgebrütet haben

 

Wer sich öffnet, geht Risiken ein und macht sich verletzlich. Aber Widerstände und Widrigkeiten gehören zum Wachstum, gerade am Anfang eines Weges.

 

Eben noch hat ein Projekt, eine neue Liebe, Idee oder ein Ziel erste Formen angenommen, da gibt es unerwarteten Widerstand: Termine platzen, Pläne funktionieren nicht, Ziele werden vllt nicht erreicht und man muss Rückschläge einstecken.

 

Wer den Mut hat, etwas Eigenes auf den Weg zu bringen, muss meist mit Gegenwind rechnen

Auch die Natur kennt das. Hier erfriert noch manch zarter Pflanzenkeim in frostigen Nächten.

 

Die Strategie der Natur: Öffnung auf Raten je nach äußeren Bedingungen. Die große Mehrheit der Pflanzen weiß sich erstaunlich effektiv vor der für sie tödlichen Kälte zu schützen. Zunächst wachsen Pflanzen, die Nachtfröste gut aushalten. Die anderen Pflanzen scheinen zu spüren, was ihnen guttut: Ist es kalt, sprießen sie vorsichtig hervor. Friert es, stoppen sie ihr Wachstum und warten auf bessere Bedingungen. Und wenn sich die Sonne verlässlich zeigt, wagt sich das Pflanzen-Leben in seiner ganzen Kraft heraus.

 

Öffnung findet also in einer Weise statt, die genau die eigenen Grenzen spürt, und sie berücksichtigt die äußeren Bedingungen.

 

Wer schon einmal versucht hat, im Zimmer Pflanzen vorkeimen zu lassen weiß, wie wichtig der Widerstand des Windes und das raue Wetter für die Pflanzen sind. Denn erst im Wind werden die Stängel stark und widerstandsfähig, bereit auch den Rest der Pflanzen zu tragen.

 

Deshalb dürfen auch wir die Gegenkräfte würdigen, die uns Steine in den Weg legen und Knüppel zwischen die Beine werfen. Alle Kräfte, die uns hindern, bremsen und manchmal auch bedrohen, haben ihren Sinn und ihren Platz im Leben. Am Ende sind sie es, die uns stark genug machen, um uns zu unserer ganzen Größe zu entfalten. Sie fordern uns auf, geduldig zu sein und durchzuhalten, wenn uns etwas wichtig ist. Und dass wir uns Zeit dafür nehmen, stark zu werden.

 

 

 

Das Frühjahr ist die ideale Zeit, etwas Gutes für sich und seine Gesundheit zu tun

Während im Winter der Stoffwechsel auf Speichern eingestellt war, ist der Körper jetzt empfänglich für Nahrungsmittel, die entschlacken und reinigen. Am besten indem man möglichst viel von dem isst, was regional und saisonal wächst.

 

Die chinesische 5-Elemente-Ernährung spricht von energetischer Wärme oder Kühle von Nahrungsmitteln. Im Winter wachsen energetisch wärmende Gemüse wie z.B. die Kohlsorten, und wir essen dann gerne schwerere Speisen und Süßes mit Zimtgewürzen.

Jetzt im Frühjahr wachsen neutrale bis kühlende Obst- und Gemüsesorten. Spargel und Rhabarber entwässern und stimmen unseren Körper auf die wärmere Jahreszeit ein. Vielen tut es gut, sich jetzt leichter zu ernähren als im Winter.

Lebensmittel regional saisonal und mit geringer Zutatenliste essen, da bekommt man mit der Zeit ein gutes Gespür für den Körper, was er gerade braucht: Das was uns dann schmeckt, wird uns auch gut bekommen.

 

 

Jetzt bewusst mehr Zeit draußen in der Natur nutzen und sich wieder regelmäßig bewegen

Vielleicht einer der wenigen positiven Effekte der sog „Corona-Zeit“, dass viele von uns mehr Draußen sind, weil viele Freizeiteinrichtungen geschlossen sind.

 

Buchautoren wie Richard Louv sprechen sogar von einem Naturdefizit, unter dem unsere Gesellschaft leidet, und führt Probleme unsere Kinder und Jugendlichen wie z. B. das Aufmerksamkeitssymdrom auf dieses Naturdefizit zurück. Insbesondere durch elektronische Medien verbringen Kinder viel weniger Zeit im Freien, als noch vor 10 und mehr Jahren.

 

Auch unser Körper profitiert, denn er kann sich durch Aufenthalt im Freien viel besser an die Jahreszeit anpassen, unser Organismus synchronisiert sich in vielfältiger Weise. Das Tageslicht, die Temperaturen und diverse Gerüche fungieren als Zeitgeber für unseren Organismus, der vielleicht noch nicht ganz in Frühjahrsstimmung ist. Deshalb spüren viele in der Zeit noch die sog. Frühjahrsmüdigkeit, die aber verschwindet, je öfter man sich draußen bewegt.

 

 

Im Mai erwacht in der Natur die volle Kraft, nichts steht der Entfaltung des Lebens mehr im Weg. Von den intensiven Düften, den leuchtenden Farben und dem Genuss wilder Kräuter werden unser aller Sinne angesprochen. Erleben der Natur und riechen, schmecken und spüren das sich sinnlich entfaltende Leben tut uns jetzt einfach gut.

 

 

Angespornt durch das Wachstum der Natur, geht es im Juni um unser inneres Wachstum

Eine Pflanze trifft keine Entscheidung dafür zu wachsen, sondern sie tut einfach das, was in ihr steckt. Ebenso wenig können wir verhindern, dass wir uns stetig weiter entfalten mit allen Stärken und Schwächen, die in uns stecken. Nichts Natürliche bleibt statisch, alles bewegt sich weiter. Was wir bewusst unternehmen können, ist unser Wachstum zu fördern und ideale Bedingungen dafür zu schaffen, gezielt das zu entwickeln, was uns wichtig ist.

 

Der wichtigste Nährboden zur Entfaltung ist Liebe zu sich selbst. Das bedeutet, sich selbst so annehmen lernen, wie man ist. Und sich selbst nicht zu verurteilen für vermeintliche „Fehler". Wachstum ist häufig nur dadurch möglich, dass wir „Fehler“ machen - und damit wäre es auch kein Fehler mehr, sondern sogar hilfreiches Learning.

 

Wer sich selbst annehmen kann, gut für sich sorgt und mit sich in Kontakt ist, kann auch leichter in Kontakt sein mit anderen. Denn man schöpft dann sozusagen aus "dem Vollen".

 

 

Das lange Tageslicht im Juni lädt ein, sich Zeit zu nehmen für Dinge, die vielleicht vernachlässigt wurden. Liebe, Alltag, Beruf, Hobbys, Körper, Geist und Seele, alles möchte in einem menschlichen Leben mitwachsen.

 

 

Verborgenes ans Licht bringen

Der helle Juni fordert auch dazu auf, einen kritischen Blick auf Lebensumstände zu werfen, die dem Wachstum nicht mehr dienlich sind - oder es womöglich behindern und einschränken. Ein Nährboden, der einer Pflanze die falsche oder zu wenig Nahrung zuführt, lässt sie darben und verkümmern.

 

Manchmal scheuen wir, einer Wahrheit ins Auge zu sehen und uns einzugestehen, dass uns Menschen oder Verhältnisse nicht mehr guttun. Viele wollen vermeiden, Vertrautes zu verlassen oder loszulassen, selbst wenn es einem nicht (mehr) entspricht, aus Angst vor dem, was danach kommen könnte. Aber damit stünden wir uns nur selbst im Weg.

 

Metaphorisch gesprochen kann eine Hand nur aufnehmen, wenn sie leer ist bzw. vorher etwas losgelassen hat. Wer loslässt, hat die Hände frei..

 

Wir wünschen dir einen sinnenhaften und ereignisreichen Frühling!

 

 

 

Text by Sabine Bagnato